Singend durch Raum und Zeit
Die 7. Klassen aus vier Schweizer Steiner Schulen kamen Ende Oktober 2025 zu einem Chorwochenende in Basel zusammen. Am selben Wochenende fanden auch die beiden Konzerte mit den erarbeiteten Liedern statt: Am Samstagabend, 25.10.2025, in der Kulturkirche Paulus in Basel und am Sonntagnachmittag, 26.10.2025, in der Kirche St. Stefan in Kreuzlingen – für das Publikum jeweils eine stimmungsvolle Reise durch verschiedenste Länder und Zeiten.
In Florenz gibt es seit einigen Jahren ein jährliches Chortreffen der italienischen Steiner Schulen, bei dem jeweils bis zu 400 Siebtklässler*innen zusammenkommen. Der Kreis der Musiklehrpersonen in der Schweiz hat nun den Impuls gefasst, ein ähnliches Treffen zu initiieren. Als Startprojekt durften die Schüler*innen aus fünf 7. Klassen der Steiner Schulen Kreuzlingen, Winterthur, Basel und Oberaargau Ende Oktober im Saal der Rudolf Steiner Schule Jakobsberg in Basel 17 Stücke einstudieren und dabei Chorliteratur aus verschiedenen Zeiten und Ländern kennenlernen.
Ein vielfältiges Programm
Die Schüler*innen zeigten in ihren zwei Konzerten in Basel und Kreuzlingen eine Reise durch die Musikgeschichte, begonnen mit einem Choral aus dem Mittelalter. Gekonnt lief der Gesang wie eine Welle durch die Gruppe der ungefähr 100 Jugendlichen. Der mehrstimmige Chor bewegte sich in verschiedenen Sprachen vom 6. Jahrhundert bis ins 21. Jahrhundert. Ein Choral von Bach wurde dabei von Cello, Viola, Violine und Querflöte begleitet. Nahtlos reihten sich die Stücke aneinander wie die Perlen an einer Kette. Die Dirigent*innen, die Musiklehrpersonen der verschiedenen Schulen, wechselten sich ab und führten das Publikum durchs Programm. Die anderen Lehrer*innen unterstützten jeweils in den unterschiedlichen Stimmregistern des Chores. Als die Reise dann durch den Osten Europas führte, kamen begleitend noch Bongos hinzu, Akkordeon und Schellenkranz. Bei einem japanischen Stück konnte man durch die Klänge beinahe die Weite der Berge und Täler spüren. Die Reise endete in der Schweiz, wo bei „Lueged vo Berge und Tal“ auch das Publikum mitsingen durfte.
Eine fruchtbare Zusammenarbeit
„Musikalischer Reiseleiter“ und Initiator war Peter Appenzeller, der bereits für vergangene Musikprojekte und Klassenspiele den Weg an die RSSK gefunden hatte (s. z.B. Tredeschin – Singspiel der 4. Klasse) und tragend beim jährlichen Musiklager in Scuol mitwirkt. Die organisatorische und inhaltliche Leitung des neuen Chorprojekts oblag den Musiklehrer*innen Johannes Luchsinger aus Kreuzlingen, Katrin Felber und Adrian Borter aus Basel sowie Matthias Kühn aus der Rudolf Steiner Schule Birseck. Die Musiklehrpersonen hatten an ihren Schulen vorbereitend seit den Sommerferien an den Stücken gearbeitet, so auch Matthias Zäslin sowie Regina Kobe. Weitere Begleit- und Klassenlehrpersonen waren Saskia Ruby, Mathias Pap, Richard Haag und Jana Taina Bidaut. Unterstützt wurde das Projekt von der Edith Marion Stiftung und dem „Förderprogramm Jugend+Musik“ des Bundesamtes für Kultur.
Austausch und Verbundenheit
„Das Chorwochenende war nicht nur musikalisch ein grosser Erfolg, sondern verband die Schüler*innen miteinander“, blickt Klassenlehrer Richard Haag (7. Klasse der RSSK) zurück. „Es schuf auch für die Lehrpersonen eine schöne Gelegenheit, sich kennenzulernen, auszutauschen und sogar neue Projektideen zu entwickeln.“ Wir freuen uns über die schulübergreifende Zusammenarbeit und die wertvolle Erfahrung für die Schüler*innen. Was die Gruppe auf die Beine gestellt hat, war sehr beeindruckend. Richard Haag ist überzeugt, die Steinerschullandschaft brauche viel mehr schulübergreifende Projekte – auch in anderen Bereichen.
Text und Fotos: Lane Dürr