Ein Vormittag in der Spielgruppe

Unsere Hofspielgruppe „Apfelblüte“ haben wir bereits vorgestellt. Nun schauen wir hinter die Kulissen der Spielgruppen „Lavendel“ und „Malve“ auf dem RSSK-Gelände. Leiterinnen Tina Vetter und Lien Lernout stellen uns einen „gewöhnlichen Vormittag“ und den neuen „aussergewöhnlichen Vormittag“ am Donnerstag, den „Naturtag“, vor. 

Strassen aus gehäkelten Schneckenbändern schlängeln sich über den Wollteppich, zwei Kinder befüllen unermüdlich Puppenwägen mit allem, was die Spielküche hergibt, und fahren sie in ihr Versteck unter einem Regal, auf einer Holzschnecke und einem Wollschaf wird geschaukelt, ein Kind legt sich kurz zum Ausruhen in die Kuschelecke – der Spielgruppenvormittag beginnt mit dem Freispielzeit, in der die Kinder sich mit dem vielfältigen Angebot an Materialien von Püppchen und Holztieren über Holzfahrzeuge bis hin zu Kastanien und gefilztem Gemüse ihre eigenen „Spiele“ erschaffen. „Im Freien Spiel kann das Kind Erlebnisse und Erfahrungen spielerisch verarbeiten“, berichtet die Leiterin der Spielgruppe „Lavendel“ Tina Vetter. „Die grossen Kinder, die bald in den Kindergarten wechseln, freuen sich schon aufeinander und haben oft konkrete Spielideen.“

Alles im Rhythmus

Zwischen 7.45 Uhr und 8.30 Uhr können die Eltern ihre Kinder bringen. „Es ist eine Zeit, in der die Kinder entspannt ankommen können. Mit neuen Kindern spielen wir gezielt. Das erleichtert ihnen, sich auf die Gruppe einzustellen“, sagt Tina Vetter. „Oft kommen sie zum ersten Mal in eine Fremdbetreuung. Daher bauen wir die Eingewöhnungszeit langsam, aber beständig auf.“

Während der Freispielzeit gibt es für Tina Vetter die Gelegenheit, mit einem Teil der Kinder den Teig vorzubereiten, aus dem am nächsten Tag gemeinsam Brötchen gebacken werden. Jedem Wochentag ist eine bestimmte Form des Znüni zugeordnet. Dieser Rhythmus erleichtert es den Kindern, sich in der Woche besser zurechtzufinden. Rhythmen geben den Kindern „Orientierung, Sicherheit und Geborgenheit“, so Tina Vetter. Lieder, Verse und Puppenspiel richten sich nach Jahreszeit und Festen im Jahr, folgen somit einem Jahresrhythmus, und der Vormittag hat ebenfalls eine klare Struktur. Er ist „gegliedert in freie und geführte Teile, nach Rudolf Steiner entspricht das dem Aus- und Einatmen der Kinder.“ Nach dem „Freien Spiel“ beginnt mit dem gemeinsamen Aufräumen der geführte Teil des Vormittags. 

Beladene Eselchen

Der sanfte Klang eines Glöckchens und ein Lied kündigen die Aufräumzeit an. Manche Kinder klemmen sich Bauklötze, Holztiere oder Puppen unter die Kleider auf den Rücken und bringen sie auf allen Vieren als „beladene Eselchen“ zurück an ihren Platz. Andere ahmen dieses „Aufräumspiel“ nach. „Das Aufräumen ist ganz klar eine gemeinschaftliche Aktion, bei der alle mithelfen von den Kleinsten bis zu den Grössten. Das gilt selbstverständlich auch für uns Betreuerinnen. Wir sind die Vorbilder“, erklärt Lien Lernout. Sie leitet die Spielgruppe „Malve“ im Stockwerk über dem Kindergarten „Rosmarin“. Jede*r weiss genau, wo die Materialien hingehören. Wenn nicht, wird bei den Grossen geschaut. „Für die Kinderseele ist es wichtig, dass alles seinen Platz und seine Ordnung hat. Auch das gibt dem Kind das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit“, sagt Lien Lernout „Manche singen sogar Zuhause unser Aufräumlied und fangen zum Erstaunen ihrer Eltern an aufzuräumen.“

Komm tanz` mit mir

Jetzt ist in beiden Gruppen Platz für einen grossen Kreis, fürs Tanzen, Singen und rhythmische Bewegen. Jahreszeitlich angepasste Reigen, Lieder, Verse und Fingerspiele werden von den Erzieher*innen zur Gruppe passend ausgewählt. „Ich habe die jeweiligen Kinder mit ihren motorischen und sprachlichen Fähigkeiten im Geiste vor mir. Die musikalisch bewegten Rhythmen helfen ihnen, den Körper gut auszubilden und in die Sprache zu kommen“, erklärt Tina Vetter ihr Vorgehen. Jetzt im Sommer sind insbesondere Tanzlieder wie „Brüderchen, komm tanz` mit mir“ oder „Ich bin ein dicker Tanzbär“ dabei, die dann auch beim Sommerfest gesungen werden.

An einem „goldenen Band“ geht es gemeinsam in den Vorraum der Spielgruppe „Lavendel“. Hier dürfen alle noch einmal auf die Toilette und waschen sich von weiteren Fingerspielen und Liedern begleitet die Hände. In eine aus den eigenen Fingern geformte Schale verteilt Tina Vetter das „Goldtröpfli“ – ein Öl, heute mit Rosenduft. Mmmh, das riecht gut! Es sind die vielen kleinen, liebevollen Momente und Routinen, die die Kinder begeistern und jedes Mal zum Staunen bringen. „Das Goldtröpfli ist ein wunderschönes Duft-Sinneserlebnis, das den Kindern hilft, bei sich selbst mit der Wahrnehmung anzukommen“, schwärmt Tina Vetter. So sind alle gut vorbereitet für ein entspanntes Znüni, das gemeinsam begonnen und beendet wird. 

Feueralarm und Eisverkauf

Um 10 Uhr beginnt die Draussenzeit. Zunächst kann Tina Vetters Spielgruppe den naturnahen und weitläufigen Garten allein geniessen, den sie sich ab 10.15 Uhr mit den „Malvenkindern“ und ab ca. 10.30 Uhr mit Kindergartenkindern teilt. „Besonders nach den Sommerferien ist das ein wichtiger Moment“, erzählt Tina Vetter, „wenn ehemalige Spielgruppenkinder jetzt als Kindergartenkinder, uns freudig strahlend ein „Hallo“ zurufen und ganz stolz von ihrem Kindergartenmorgen berichten wollen“. Für die zukünftigen Kindergartenkinder erleichtert es ausserdem den Übergang, wenn sie „ihre Kindergärtnerinnen“ und Spielkamerad*innen schon von der Draussenzeit kennen. 

Es ist ein warmer Sommertag. Klar, dass es alle erst einmal zum kleinen Steintrog mit Wasserhahn zieht, wo sie sich die Giesskannen füllen, Matsch im Sandkasten anrühren, Blumen giessen gehen oder die Rutsche bewässern. Dann gibt es auch noch einen „Feueralarm“ und das Spielhäuschen muss gerettet werden. Flink rennen die Kinder mit ihren Giesskannen an Wippe und Rutsche vorbei, um Nachschub zu holen und „Anweisungen zu geben“. Als das Häuschen gerettet ist, kann endlich wieder durch das Fenster „Eis verkauft“ werden oder die Kinder widmen sich dem Schaukeln, dem Wippen, dem Umgraben des Sandkastens und schaufeln Steine von einem Ort zum anderen. Auch im Garten wird aufgeräumt, bevor es für die „Lavendelkinder“ um ca. 11 Uhr noch einmal ins Holzhüsli geht. Die „Malvengruppe“ bleibt bis ca. 11.30 Uhr draussen. 

Ganz vertieft

Im Raum steht bereits ein Tisch bereit, davor Sitzbänke. Noch ist abgedeckt, was Tina Vetter gleich enthüllen wird. Es ist die Kulisse eines kleinen Puppenspiels. Die Kinder schauen gebannt zu, manche sprechen Textstellen mit. „Das Puppenspiel gibt den Kindern die Möglichkeit, eine Geschichte mit allen Sinnen wahrnehmen zu können. Sie sind dabei sehr konzentriert am Zuhören und ganz in die Geschichte vertieft. Das ist Seelennahrung und ein Genuss für die Kinder“, sagt Tina Vetter. In allen Spielgruppen gibt es die Geschichte gegen Ende des Vormittags. Um das Zuhören zu lernen, steigert Tina Vetter die Zeit des Konzentriertseins langsam – nach den Sommerferien mit einem Bilderbuch, nach den Herbstferien mit dem ersten kleinen Puppenspiel, die Verweildauer wird immer länger. „Meist ab Ostern führen die „Grossen“ in der Gruppe im Freispiel selbst Puppenspiele auf“, freut sich Tina Vetter über die Entwicklung der Kinder. Bis alle gemeinsam ab 12 Uhr vor dem Holzhüsli auf ihre Eltern warten, können die Kinder noch einmal spielen. 

Kleine und grosse Frösche am „Naturtag“

Im kommenden Schuljahr wartet jeden Donnerstag ein besonderes Abenteuer auf die Kinder der Spielgruppen „Malve“ und „Lavendel“. Dann geht es am „Naturtag“ mit dem Bollerwagen in den Seeburgpark, wo Zeit ist, „mit allen Sinnen die Natur, die Tiere und das Wetter zu erleben. Zu spielen, zu rennen, zu klettern“, wie es im Elternbrief der Spielgruppen heisst. In den letzten drei Wochen wurde dafür bereits „geübt“. „Die Kinder und Eltern sind begeistert“. Und Tina Vetter ist es auch: „Die Kinder haben viel mehr Freude am Rennen und Laufen, als ich vermutet habe. Sie lieben es die Enten und Blesshühner und ihre Bibilis zu sehen. Natürlich müssen wir auch am Froschteich vorbei und schauen, ob wir wieder den kleinen und den grossen Frosch sehen. Die Esel werden bestaunt, von denen wir die Namen wissen.“ In der Zwischenzeit gibt es schon vermehrt Anmeldungen für den Donnerstag. „Der Naturtag entwickelt sich zu einem sehr beliebten Tag, was uns auch sehr freut!“

  • Alle Informationen zu unseren Spielgruppen finden Sie hier: Spielgruppe
  • Wie es im Kindergarten weitergeht, können Sie hier erfahren: Kindergarten

Text und Fotos: Anika Mahler

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