„DORNiCH ? !“ – ein selbst erarbeitetes Bühnenwerk

Der längste Tag des Jahres, gefühlt der heisseste Tag im grossen Saal der RSSK und das Publikum sass gebannt auf den Stühlen. Der Raum war voll, denn durch die Generalprobe und die interne Aufführung für die Schulklassen hatte sich herumgesprochen, dass man das Stück „DORNiCH ? !“ der Theater AG am Samstag, den 21.06.2025, auf keinen Fall verpassen durfte. Und wer der Hitze entgegenfächelnd dem jungen Schauspiel folgte, wurde eineinhalb Stunden später begeistert und bereichert in die Sommernacht entlassen.

Die sieben jungen Frauen der Theater AG dieses Schuljahres hatten sich das Stück „DORNiCH ? !“ selbst erarbeitet. „Am Anfang haben die Mädchen sich überlegt, welche Fragen sie beschäftigen. Die wurden dann gesammelt und bearbeitet“, erinnert sich die Leiterin der Arbeitsgruppe und Theaterpädagogin Stella Seefried. „Erst danach haben wir beschlossen, diese Themen im Rahmen des Märchens Dornröschen darzustellen.“

Mit beeindruckender Klarheit stellten sich die Darstellerinnen essenzielle Fragen: „Kann iCH das denn? Bin iCH genug? Bin iCH glücklich? Was bedeutet es, iCH zu sein? Was, wenn iCH besser wäre?“ Immer wieder tauchte eine Frage auf und die jungen Frauen rangen um die Antworten. Aber auch die Zuschauer*innen sollten sich mit den Fragen beschäftigen und wurden auf lustige, ernste bis äusserst provokante Art und Weise zu den Gedanken geführt, wer man wirklich ist und was man in der Gesellschaft für eine Rolle spielt. 

Wenn die Grenze der Theaterbühne verschwimmt

Zu Beginn des Stücks wurde dem Publikum klar gemacht, dass es sich eigentlich in eine Theaterprobe des Ensembles verirrt hatte. „Oh nein, wir haben das falsche Datum für die Aufführung veröffentlicht!“, wurde den Darstellerinnen vermeintlich bewusst. 

Das ganze Stück wechselte inhaltlich zwischen dem Märchen Dornröschen und den probenden, diskutierenden und nachdenkenden Mädchen hin und her. Immer wieder hielten die Darstellerinnen das unisono gesprochene Märchen „an“, um darüber nachzudenken, was denn da gerade erzählt wurde. Sie stellten fest, dass all die guten Wünsche der Feen zur Geburt Dornröschens nicht zeitgemäss sind und dass sich Dornröschen als behütete Prinzessin, die an ihrem 15. Geburtstag allein im Schloss umherwandelt, nicht gut gefühlt haben konnte. Sie stellten dar, wie junge Menschen flüchten können, wenn die inneren Stimmen dämonisch werden, und wie der Druck der Umgebung zu grosser Not führen kann. 

Dornröschen war ein schönes Kind…

Zu guter Letzt fiel ihnen ein, dass der Prinz gar nicht dafür verantwortlich war, dass Dornröschen aufwachte – denn die 100 Jahre waren sowieso vorbei und Dornröschen ist aus eigener Kraft erwacht. Aber sie wurden sich dann einig, dass sie dem Prinzen seinen Erfolg nicht nehmen wollten.

Auf diesem Wege behandelte die Gruppe brisante Themen, die viele Jugendliche und Erwachsene umtreiben: Was stellt die Aussenwelt für Anforderungen an mich und wie gut kann ich mich in all dem Lärm selbst hören? Die Dynamik führte im Endeffekt zum Mut jeder einzelnen und dem Zusammenhalt in der Gruppe. „Ich würde mich suchen, wenn ich verloren ginge – auf jeden Fall!“, konnte sich eine der jungen Mädchen nach der Bearbeitung ihrer inneren Fragen bekräftigen.

„Wie gross ist eine Seele im Verhältnis zum Menschen?“

Die jungen Frauen haben bewiesen, dass sie grösstes Durchhaltevermögen haben. Voller Mut haben sie die Themen, die sie im Innersten bewegen, nach aussen gestülpt und eine Figur dazu geschaffen. Diese Klarheit und Ehrlichkeit von so jungen Menschen dargeboten zu bekommen, hat tief bewegt. Dass sie sich damit auseinandersetzen, wie die Seele sie zu einem individuellen Menschen macht und dass dieser genau richtig ist, so wie er ist, lässt uns voller Hoffnung auf die Zukunft blicken. Noch einmal wollen wir nun den Figuren aus „DORNiCH ? !“ die Bühne überlassen: 

„Maxi: Bin ich klein?
Livia: Also im Verhältnis zur Welt schon.
Kira: Wie gross ist ein Mensch im Verhältnis zur Welt?
Nala: Wie gross ist eine Seele im Verhältnis zum Menschen?
Rhea: Boar, jetzt hört halt auf!“

Wir danken Stella Seefried für ihren professionellen Einsatz an unserer Schule und all die Zeit, die sie uns voller Herzblut schenkt.

Text und Fotos: Lane Dürr (Gruppe für Öffentlichkeitsarbeit)

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